Buchrezension

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Elke Leithner-Steiner, Licht werden – Imagination in Therapie und Beratung. Innere Transformationsprozesse durch die Kraft des Bewusstseins. Wiesbaden: Springer Fachmedien Verlag 2017

Ich bin dankbar und freue mich sehr über die Buchrezension von Univ. Prof. Dr. Raimund Jakesz, Medizinische Universität Wien:

Das Buch „Licht werden – Imagination in Therapie und Beratung“ von Elke Leithner-Steiner ist ein hervorragendes, in die Tiefe gehendes, Perspektiven setzendes Buch, das nicht nur von der Durchdringung der Materie durch die Autorin zeugt, sondern auch von ihrer offensichtlichen großen diagnostischen und therapeutischen Erfahrung im Rahmen ihrer Tätigkeit als psychosoziale Beraterin. Das Buch wird durch eine besonders akribische Literaturdarstellung ergänzt, die immer die eigene Vorstellung der Autorin mit der gängigen Literaturmeinung in Perspektive bringt.

Eindrucksvoll wird die Vielfalt der diagnostischen und therapeutischen Imagination in der Verbindung zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, von Grobstofflichem und Feinstofflichem, von körperlichen und geistigen Aspekten in diesem multidimensionalen System Mensch dargelegt. Gerade diese Multidimensionalität des Menschen ist ein wundervolles Beispiel dafür, dass es ein Modell für komplexe Systeme geben muss, um tiefe Erkenntnis dafür zu erhalten. Der scheinbare Gegensatz zwischen Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft und die mangelnde Bereitschaft, aus der Freude an Durchdringung und Erkenntnis einander näher zu kommen, und dies schon über Jahrhunderte, erscheint verstörend. Gerade Imagination, was ja viel mehr als ein Bild bedeutet, sondern die Botschaft aus Bewusstsein und Unterbewusstsein miteinander verbindet, ist ein hoffnungsvolles Beispiel einer möglichen Wende zur Ganzheitlichkeit. Eindrucksvoll sind viele Fallbeispiele, die die Breite der Imagination klar beleuchten, von der sozusagen aktiven Imagination als einem Raum, in dem bewusst heilsame Aspekte hereingezogen werden, um dysfunktionale Umstände aufzuklären, bis zur passiven Imagination, bei der in einem Zustand der inneren Entspannung gewartet werden will, bis Bilder kommen. Und hier erscheint die Übersetzung von Imagination als Bild weichen zu müssen, der Imagination als Vorstellung, als Kommunikation, kenntnishaft mit inneren Zuständen, die gefühlsmäßige und emotionale Aspekte, spirituelle Anteile miteinander eben im Sinne der Ganzheitlichkeit verknüpfen. Aus der Tiefe des Wesens entstehen Informationen, die aufgedeckt, erkannt und heilsam verarbeitet werden können, und der Ganzheitlichkeit der Klientin entsprechen, durch die Klientin interpretiert werden können oder sollen, und tiefen Einblick in das eigene Wesen erlauben.

Besondere Bedeutung legt die Autorin auf die Art des Kommunikationsprozesses zwischen Klientin und Therapeutin, beschrieben als Einfühlsamkeitshaltung, als Begleitung und Schutz, als Hingabe an die gemeinsame Sache, ohne den Stellenwert der Therapeutin überzubetonen. Die Arbeit mit dem inneren Bild erlaubt einen spirituellen Kontext, der weit über das Denken hinausgeht, ja das Denken fast als kontraproduktive Aktivität darstellt, als Möglichkeit des Zuganges zu anderen energetischen Ebenen. Grenzenlosigkeit in Diagnose und Therapie ist verlangt, um der Grenzenlosigkeit des Wesens Mensch zu entsprechen in einem Raum von Freiheit und Sicherheit. In diesem Raum kann es zu heilsamer Persönlichkeitsänderung kommen, basierend auf dem Resonanzprinzip entsteht in der Innenschau das der Klientin entsprechende Thema. Hingestellt wird eine Reaktion der Seele, in der sich das Wesen als Ganzes äußern will, wenn es angesprochen wird. Bereitschaft zu völliger Wertfreiheit, sich immer der möglichen Gefahr der Überinterpretation bewusst zu sein, erlaubt dem Klienten Selbsterfahrung, Rückkehr zur Organisation des eigenen Selbst. Die kreative Schöpferkraft von beiden Seiten erlaubt dann Darstellung des Unterbewusstseins und findet in diesem komplexen System Mensch statt, und so kommt es zur Erkennung und zur Erweiterung des eigenen Potenzials der Bewusstheitssphäre. Heilung benötigt die Betroffene, und so wichtig Symptomkorrektur sein mag, ist sie doch nur ein Teil des ganzheitlichen Diagnose- und Therapieansatzes in diesem offenen
System Mensch. Die Heilung in diesem System braucht offene Menschen, um dysfunktionales zu erkennen, und in Funktionales zu transformieren, um Mangel in Sättigung umzuformen, Überschuss in Ausgleich, Schmerz in Freude.

Nochmals sei auf die Art der aktiven therapeutischen Begleitung verwiesen, die nicht daneben steht, sondern auf vertrauensvoll erlebte Beziehung und konstruktive Interferenz zwischen beiden hinweist, worauf die Autorin besonderen Wert legt. Die empathische Verschränkung der beiden Systeme Klientin und Therapeutin setzt von beiden Seiten Bereitschaft zur Verbindung voraus. Das Dysfunktionale im Klienten wird durch das funktionale, liebevoll beruhigende System des Therapeuten entspannt und in Richtung Selbstheilung im Raum vorbereitet.
Ein sehr wertvolles Buch, das wärmstens ans Herz gelegt werden kann.
(Raimund Jakesz)

Mehr Infos zum Buch

www.elkeleithnersteiner.info

 

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