Angstträume verstehen

Bei seelischen Transformationsprozessen wird nichts eliminiert, es wird nichts gelöscht, sondern es findet eine ständige Umformung aller bereits existierender und neu dazu kommender Inhalte des Psychischen statt, um diese innerlich neu zu ordnen. Ein neues Ordnungsmuster kann nur durch das Loslassen alter Strukturen entstehen.

(Auszug aus dem Buch „Licht werden – Imagination in Therapie und Beratung. Innere Transformationsprozesse durch die Kraft des Bewusstseins. Springer, 2017)

Fallbeispiel

Dazu ein aktuelles Fallbeispiel aus meiner psychologischen Beratungspraxis zum Thema „Angsttraum“.

Ein Mann, Mitte Fünfzig, wird von wiederkehrenden Träumen geplagt, die ihn jedesmal mit einem Angstgefühl der Ausgrenzung, des Alleingelassenseins erwachen lassen. In der Imagination erkennt er das Thema seiner Realität und findet zu seiner Inneren Balance zurück.

In der Imaginationssitzung erlebt er folgendes (ein Auszug):

Wenn ich an all diese Träume denke, dann verkrampft sich sofort mein Magen. Es ist ein scheußliches, schweres Gefühl, allein zu sein, nicht gewollt zu sein, nicht dazugehören zu dürfen. Mein innerer Blick ruht auf meinem Magen und da zeigt sich eine faulige, geschwärzte, weil überreife Blüte. Übelriechend und matschig. Kein schöner Anblick. Dennoch verweile ich dort mit meinem Blick und erkenne, dass es um langjährige, nun energielose Beziehungen zu Menschen geht.

In einem weiteren Bild sehe ich eine männliche Gestalt, welche zielstrebig, den Blick verbissen nach vorne gerichtet, einen Sandstrand entlang läuft. „Da muss ich auch hin, da muss ich auch hin!“ Während ich den Mann beim Laufen beobachte, merke ich, dass er sich ja total verrennt. Er tut mir leid, weil er es überhaupt nicht merkt.

Doch plötzlich wird er von unsichtbarer Hand in die Luft gehoben. Verblüfft hält er inne. Unter ihm ziehen seine bisherigen Fußspuren im Sand wie auf einem Fließband an ihm vorbei nach vorne, wo sie verschwinden. Dann wird er von unsichtbarer Hand in den Sand gesetzt mit Blickrichtung zum Meer: „Das ist dein Weg!“

Verdutzt sitzt er da und lässt den weiten, offenen Anblick des Meeres auf sich wirken. Da wird der Mann immer ruhiger und schließlich durchströmt ihn ein Gefühl der Erleichterung … Das freut mich jetzt für ihn.

Das Bild der matschigen Blüte zeigt sich nicht mehr. Stattdessen taucht vor meinem inneren Auge ein glasklarer, stetig fließender Fluss in den Bergen auf. Ich verspüre ein wohliges Gefühl von Ruhe und Gelassenheit

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Unsere Innenwelt kreiert unsere Erfahrungen in der Außenwelt. Integrative Imagination ist eine behutsame und emotionale, dadurch nachhaltige Art der meditativen Selbstbegegnung. Veränderung beginnt in uns selbst. Der innere Same wird so aktiv von uns gesät. Das Wissen um die eigene, innere Wirklichkeit lässt die Saat aufgehen, damit folgen kann: Wie Innen, so Außen …

Hast Du auch schon Angstträume erlebt?

Liebe Grüße, Elke

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